Mit Teddy für Afrin

Solidarität mit dem kurdischen Freiheitskampf im Mittelpunk von Gedenkveranstaltungen für den Kommunisten Ernst Thälmann

22 Nisan 2018 Pazar | Deutsch

REWÞAN DENIZ/BERLIN

Bei zwei Kundgebungen anlässlich des 132. Geburtstages des Revolutionärs Ernst Thälmann in Berlin und Königs Wusterhausen stand am Wochenende die Solidarität mit dem kurdischen Freiheitskampf im Mittelpunkt. Redner zogen dabei Parallelen vom Kampf der Kommunisten in der Weimarer Republik zur Unterstützung der chinesischen Revolutionmit der Solidarität mit Afrin heute. Denn so, wie heute die türkische Armee mit deutschen Waffen hochgerüstet wird, so wurde in den 30er Jahren die japanische Armee bei ihrem Einmarsch in das revolutionäre China über Deutschland mit Waffen versorgt.

Der Hamburger Hafenarbeiter und Reichstagsabgeordnete Ernst Thälmann war von 1925 bis 1933 Vorsitzender der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD). Teddy, wie er von seinen Anhängern genannt wurde, leitete auch den Roten Frontkämpferbund, der als paramilitärische Schutzorganisation der Arbeiterbewegung gegen Angriffe der Nazis und der Polizei diente. Wenige Tage nach dem Reichstagsbrand im März 1933 wurde Thälmann von den Nazis gefangen genommen. Nach elf Jahren in Einzelhaft wurde er am 18. August 1944 auf Befehl Hitlers von der Gestapo im KZ-Buchenwald ermordet. Bis heute finden alljährlich zu seinem Geburtstag und Todestag Kundgebungen von Kommunisten, Sozialisten und Antifaschisten in mehreren Orten Deutschlands statt.

Vor dem gewaltigen Ernst-Thälmann-Denkmal am Prenzlauer in Berlin hielt am Samstag Nick Brauns vom Kurdistan-Solidaritätskomitee Berlin die Gedenkrede. Der Historiker und Journalist zog eine Parallele zwischen der Gefangenschaft des KPD-Vorsitzenden Thälmann unter Hitler und der Isolationshaft des PKK-Vorsitzenden und Vordenkers der kurdischen Freiheitsbewegung Abdullah Öcalan in der Türkei. So, wie es den Faschisten nicht gelang, Thälmann in elfjähriger Einzelhaft zu brechen, so konnte auch Abdullah Öcalan fast 20 jähriger Haft auf der Gefängnisinsel Imrali nicht in seiner revolutionären Moral gebrochen werden. „So, wie Thälmann hinter Kerkergittern für Millionen ein Symbol des Widerstandsgeistes war, so bleibt heute Abdullah Öcalan ein Hoffnungsträger im Mittleren Osten“, führte Brauns aus. Und so, wie deutsche Antifaschisten im Spanischen Bürgerkrieg in den 1930er Jahren in Thälmann-Bataillon gegen den Franco-Faschismus kämpften, so kämpfen heute kommunistische und anarchistische Freiwillige in den Reihen der YPG unter dem Banner Öcalans in Syrien gegen den IS und die türkische Armee. 


Angriff der türkischen Armee in Afrin mit Unterstützung der BRD 

Brauns betonte, dass der Angriff der türkischen NATO-Armee und ihrer Al Qaida-Söldner auf den kurdischen Selbstverwaltungskanton Afrin mit direkter Unterstützung der deutschen Bundesregierung erfolgte. Deutschland liefert der Türkei Waffen, gibt der Türkei Kredite und übt politische Zurückhaltung angesichts des völkerrechtswidrigen Angriffskrieges auf Afrin während gleichzeitig in Deutschland Friedensdemonstrationen kurdischer Verbände verboten werden. Hintergrund ist die rund 150-jährige deutsch-türkische Waffenbrüderschaft – eine aus wirtschaftlichen und geopolitischen Gründen bestehende Allianz der herrschenden Klassen Deutschlands und der Türkei, die sich gegen Frieden und Demokratie in der Türkei und dem Mittleren Osten aber auch gegen demokratische Grundrechte in Deutschland richtet.

Im zweiten Teil seiner Rede zeigte der Historiker Brauns auf, wie Thälmann sich der Frage des proletarischen Internationalismus und der Solidarität mit antikolonialen Befreiungskämpfen angenähert hatte. Nie sah Thälmann eine Frage nur als nationales Problem – egal, ob es um die Demonstration internationaler Solidarität bei Maifeiern ging oder um den Kampf gegen den imperialistischen Krieg oder um die Haltung zur Oktoberrevolution und Sowjetunion. Immer urteilte er vom internationalistischen Standpunkt aus. Thälmann fragte, welche gemeinsamen Feinde die Arbeiter in Deutschland und die unterdrückten Völker haben und welche Rolle der deutsche Imperialismus bei der Niederhaltung der gegen Kolonialismus aufbegehrenden Völker spielte. Und davon abgeleitet fragte Thälmann: Was können wir praktisch tun, um den Befreiungskampf in anderen Ländern von hier aus zu unterstützen? In den 20er und 30er Jahren stand für die deutschen Kommunisten die Solidarität mit dem antikolonialen Befreiungskampf in China im Mittelpunkt. Thälmann betonte damals, dass „Deutschland das Zentrum des Waffenhandels“ für die in China einmarschierenden japanischen Truppen ist. Über den Hamburger Hafen wurden Waffen an die konterrevolutionären Armeen in China geliefert – mit Wissen und Billigung der in Hamburg regierenden Sozialdemokratie. Thälmann rief daher 1932 die Hafenarbeiter, Seeleute und Eisenbahner auf, mit Streiks und anderen Kampfmethoden den Transport von Waffen und Munition aus Deutschland zu verhindern.

„Solidarität mit den Völkern Syriens, Solidarität mit dem kurdischen Freiheitskampf, Solidarität mit den demokratischen Kräften in der Türkei darf kein abstraktes Lippenbekenntnis bleiben. Die Solidarität muss praktisch werden!“, betonte Brauns. Möglichkeiten würden sich bereits am 1. Mai bieten. Auf der revolutionären 18-Uhr Demo in Berlin-Kreuzberg sollen alle Fahnen der kurdischen Freiheitsbewegung gezeigt werden. Und am 8. Mai findet im Berliner Maritim Hotel die Hauptversammlung des Rüstungskonzerns Rheinmetall statt, der in der Türkei eine Panzerfabrik brauchen will. Auch dort sind Proteste angekündigt. Brauns beendete seine Rede mit einem Zitat Thälmanns:  „Wir werden unsere proletarische Solidarität gegen den Imperialismus durch den entschlossenen Kampf gegen den Feind im eigenen Land praktisch erhärten!“

Eine weitere Kundgebung, auf der Dieter Ilius für das Kurdistan-Solidaritätskomitee ein Grußwort sprach, fand am Sonntag vor dem Gelände der vor einigen Jahren geschändeten und zerstörten Thälmann-Gedenkstätte in Ziegenhals in Königs Wusterhausen statt. An diesem Ort hatte Thälmann 1933 vor Mitgliedern der KPD-Führung seine letzte Rede vor seiner Gefangennahme gehalten und Aufgaben der Kommunisten im Kampf gegen den Faschismus benannt.


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